Für die Behandlung von Erektionsstörungen stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, die sich in nicht-medikamentöse und medikamentöse Methoden unterteilen. Ihr wichtigster Ansprechpartner ist hier Ihr Arzt. Fragen Sie ihn um Rat.

Ihr erster Ansprech­partner ist immer Ihr Arzt

Betroffenen fällt es oft schwer, mit ihrem Arzt über das Thema Potenzstörung zu sprechen. Dies ist jedoch ein erster Schritt, den Sie tun sollten, um Ihre Erektionsprobleme in den Griff zu bekommen.

Für einen Urologen ist das Thema tägliches Geschäft. Er wird Sie ernst nehmen und in einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen zusammen entscheiden, welche Behandlung für Sie am besten geeignet ist.

Es lohnt sich, Ihre Scheu zu überwinden und einen Arzt aufzusuchen. Die Internetrecherche kann keine persönliche Beratung und Behandlung ersetzen.

Wie läuft der Arztbesuch ab?

Zunächst wird in einem persönlichen Gespräch die Anamnese, d.h. Ihre Krankheitsgeschichte, erhoben. Hierbei können beispielsweise Fragen zur aktuellen sexuellen Aktivität, zu Begleiterkrankungen oder Medikamenten, die Sie einnehmen, eine Rolle spielen. Auch eine körperliche Untersuchung und die Abnahme von Blutwerten können zur Diagnostik herangezogen werden. Eine gute Vorbereitung für dieses Gespräch ist der Selbsttest, den Sie ebenfalls auf dieser Seite finden. Diesen können Sie ausdrucken und zu Ihrem Arztbesuch mitnehmen.

Die Kosten für den Arztbesuch und für alle erforderlichen Untersuchungen im Rahmen der Diagnostik werden von den gesetzlichen Krankenkassen voll übernommen.

Was kann ich gegen eine Erektions­störung tun?

Zunächst gilt es zu klären, welche Ursachen der erektilen Dysfunktion zu Grunde liegen, danach richtet sich die Therapie.

Prof. Dr. Kathleen Herkommer, Urologin im Klinikum rechts der Isar, TU München, erläutert für Sie im Interview die wichtigsten Fakten rund um die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Erektionsstörungen:

Im Arztgespräch wird nach dem Lebensstil des Betroffenen gefragt. Es ist bspw. vorteilhaft, wenn Männer regelmäßig körperlich aktiv sind. Übergewicht kann negative Auswirkungen haben, so dass ein erster Tipp die Umstellung auf einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und Sport sein kann. Dazu gehört auch der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol.

Auch eine oft verbreitete Scheu mit dem offenen Umgang gegenüber dem Partner belastet die Betroffenen. Probleme innerhalb der Beziehung entstehen häufig dann, wenn sich der Mann zurückzieht, einigelt und nicht über seine Sorgen spricht. Offene Gespräche sind wichtig und helfen Ihnen und Ihrem Partner gemeinsam mit der Situation umzugehen.

Erektionsstörungen, die psychischer Natur sind, sind z.B. sexueller Leistungsdruck, Versagensängste oder auch Stress. Hier können zusätzliche Gespräche mit einem Psychotherapeuten oder Sexualtherapeuten sinnvoll sein.

Ist die Ursache organisch, ist zudem von Interesse, ob Operationen stattgefunden haben oder bestehende Erkrankungen vorliegen, die Auslöser der Erektionsstörungen sein könnten, wie bspw. Bandscheibenprobleme, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, aber auch Herzerkrankungen. Auf das Arztgespräch folgt eine körperliche Untersuchung mit Schwerpunkt der Geschlechtsorgane. Auch eine Blutuntersuchung kann zur Ermittlung der Ursache beitragen, da mögliche Risikofaktoren u.a. auch ungünstige Blutfettwerte sein könnten. Auch ob ein Mangel am männlichen Geschlechtshormon Testosteron besteht, kann ebenfalls entscheidend sein. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt zudem feststellen, ob der Blutfluss in den Gefäßen des Penis normal ist.

Zur Therapie organischer Ursachen stehen weitere Optionen zur Verfügung, die sich in nicht-medikamentöse und medikamentöse Methoden unterteilen.

Zu den nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten der Erektionsstörung zählen in erster Linie die extrakorporale Stoßwellentherapie und die mechanische Therapie mittels Vakuumpumpen. Ein weiteres mechanisches Hilfsmittel, das auch im Zusammenspiel mit der Vakuumpumpe zum Einsatz kommt, ist der Spannungsring, der wie eine Manschette um den Penisschaft gelegt wird. Dieser verhindert beim erigierten Glied den Rückfluss des Blutes aus dem Schwellkörper und hält auf diese Weise die Erektion aufrecht.

Auch ein operativer Eingriff kann Abhilfe bei Erektionsproblemen schaffen. Bei der Operation, die eine invasive und nicht reversible Methode darstellt, werden künstliche Schwellkörper implantiert, die bei Bedarf aktiviert werden können. Einige dieser Methoden werden nach den europäischen Behandlungsleitlinien jedoch erst empfohlen, wenn andere Therapieoptionen ausgeschlossen wurden.

Genitale oder auch lokale Therapien sind Arzneimittel, die an dem Ort verabreicht werden, der für die Erektion ausschlaggebend ist. Im Gegensatz zu oralen Arzneimitteln, werden sie also direkt am Penis zum Einsatz gebracht. Während Tabletten zur Potenzsteigerung eher systemische Nebenwirkungen hervorrufen können, treten bei der genitalen Therapieform eher lokale als systemische Nebenwirkungen auf. In Ihrer Wirkungsweise ähneln sich die genitalen Therapioptionen, jedoch unterscheiden sie sich in der Art der Anwendung. Der Wirkstoff, der hier regelmäßig zum Einsatz kommt, heißt Alprostadil. Das Medikament kann mittels einer Spritze in den Schwellkörper des Penis injiziert, als Stäbchen zur Anwendung in der Harnröhre mit Hilfe eines ca. 5cm langen Applikators eingeführt, oder aber als Cremetropfen in die Öffnung der Harnröhre gegeben werden.

Zu Alprostadil sind keine Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen, Nahrungsmitteln oder Alkohol bekannt. Das heißt bei der Einnahme ist nicht auf den Zeitpunkt von Mahlzeiten zu achten.

Alprostadil Creme
Tropfen

Schwellkörper-Auto-Injektions­Therapie (SKAT)

Transurethrale Therapie (MUSE)

Alprostadil Creme Tropfen

Einfache Anwendung

Die Alprostadil-Creme ist in einem Applikator für den einmaligen Gebrauch enthalten. Sie lässt sich einfach und schnell anwenden, das Einführen eines Applikators in die Harnröhre oder eine Injektion entfällt. Der Alprostadil-Creme-Tropfen ist in die Öffnung der Harnröhre zu applizieren. Bereits nach 5 bis 30 Minuten setzt die Wirkung ein und hält für rund eine Stunde an.

In der Regel ist die Anwendung der Creme nicht schmerzhaft. Möglicherweise können aber Nebenwirkungen auftreten, häufige Nebenwirkungen sind beispielsweise

  • Lokale uro-genitale Reaktionen einschließlich
    • Brennen
    • Schmerz
    • Jucken
    • Kribbeln
    • Penis-Erythem (Hautrötung)

Bei Partnerinnen:

  • Brennendes oder juckendes Gefühl in der Scheide

Anwendungsvideo

(Ton einschalten)

Einfache Anwendung Alprostadil Creme

Eine Anwendungs­beschreibung der Alprostadil Creme können Sie sich hier auch herunterladen.

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Unabhängig davon, welche Therapie für einen Patienten in Frage kommt, gilt, dass körperliche und visuelle sexuelle Stimulation dazu beitragen können, eine maximale Erektion zu erreichen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um die für Sie geeignete Therapie zu finden und so den Behandlungserfolg zu maximieren.

Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT)

Bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) wird ein gefäßerweiternder Wirkstoff in den Schwellkörper des Penis injiziert. Wenige Minuten nach der Injektion tritt eine Erektion ein, die etwa eine Stunde anhält.

In der Regel ist die Schwellkörper-Injektion nicht schmerzhaft. Möglicherweise können aber Nebenwirkungen auftreten, häufige Nebenwirkungen sind beispielsweise

  • Schmerzen im Penis
  • Penisfibrose, einschließlich
    • Penisdeviation
    • fibrotische Knötchen
    • IPP (Erkrankung der Penis-Schwellkörper, mit Peniskrümmung verbunden)
  • Blutergüsse bzw. kleinflächige Hautblutung an der Injektionsstelle
  • Verlängerte Erektion

Anfangs kostet es eventuell etwas Überwindung sich selber in den Penis zu spritzen, mit ein bisschen Übung ist die Anwendung aber relativ einfach und schmerzfrei durchzuführen.

Transurethrale Therapie (MUSE)

Nach dem Wasserlassen führt der Mann einen Applikator in die Harnröhre ein. Durch Knopfdruck gibt der Applikator das kleine wirkstoffhaltige „Zäpfchen“ in die Harnröhre ab. Anschließend entfernt man den Applikator vorsichtig aus der Harnröhre. Die Muskelzellen an den Penisarterien erschlaffen, die Blutgefäße erweitern sich und Blut strömt in die Schwellkörper. Die Erektion hält ca. 30-60 Minuten an.

Die Anwendung ist mit ein wenig Übung einfach und wenig schmerzhaft.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen laut Packungsbeilage gehören beispielsweise:

  • Penisschmerz
  • Penile Fibrose (Vernarbungen/Verhärtungen) einschließlich Winkelbildung
  • Fibrotische Knötchen
  • Peyronie-Krankheit (mit starker Peniskrümmung verbunden)

Bei der Partnerin kann ein Brennen oder Jucken in der Scheide auftreten.

Orale Arzneimittel gegen Erektionsstörungen führen in vielen Fällen zwar zum gewünschten Ergebnis, können jedoch auch Nebenwirkungen auslösen, die sich auf den gesamten Körper auswirken (systemisch).

Phosphodiesterasehemmer (PDE-Hemmer) führen zu einer besseren Durchblutung des Penis. Wirkstoffe sind hier Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Die Einnahme erfolgt vor dem geplanten Geschlechtsverkehr und nicht häufiger als einmal in 24 Stunden. Im Fall von Tadalafil kann auch, unabhängig vom geplanten Geschlechtsverkehr, eine tägliche Einnahme in einer niedrigen Dosis eingenommen werden.

Die Verschreibung dieser Arzneimittel muss ein Arzt vornehmen. Die häufigsten Nebenwirkungen, die in den Packungsbeilagen aufgeführt werden, sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Hautrötung mit Hitzegefühl
  • Sehstörungen
  • verstopfte Nase
  • Verdauungsstörungen
  • Gefäßerweiterung
  • Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Schmerzen in den Extremitäten

Die Einnahme oraler Arzneimittel ist denkbar einfach, da der Betroffene nur nach Anweisung des Beipackzettels eine Tablette einnehmen muss.

Ziel der Therapie ist ein Anheben des Testosteron-Spiegels in den normalen Bereich, um eine Verbesserung der sexuellen Funktion zu erreichen. Hierfür stehen verschiedene Präparate wie Kapseln, Gels, Implantate und ölige Lösungen zur intramuskulären Applikation als Hormonersatztherapie zur Verfügung.